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22.03.2019

Artenschutz hat viele Facetten

Das wird beim Runden Tisch Artenvielfalt Fichtelgebirge - initiiert von MdL Martin Schöffel - klar

Ein Konsens zwischen Naturschutz und Landwirtschaft ist im Fichtelgebrige möglich. Das ist das Ergebnis des ersten Runden Tisches „Artenvielfalt Fichtelgebirge“ initiiert von MdL Martin Schöffel. „Die Bayerische Staatsregierung möchte beim Thema ‚Artenvielfalt und Biodiversität‘ eine Lösung erreichen, die von allen Betroffenen mitgetragen wird und einen breiten Konsens in der Gesellschaft findet. Auch mir persönlich ist es sehr wichtig, dass wir bei dieser gesamtgesellschaftlichen Aufgabe gemeinsam mit allen Beteiligten einvernehmlich denkbare Wege und Maßnahmen für einen besseren Artenschutz in Bayern entwickeln“, so der Abgeordnete, der auch beim Runden Tisch Artenvielfalt in der bayerischen Staatskanzlei mitarbeitet. „Bei diesem Anliegen ist die ganze Gesellschaft gefragt – nicht nur die Landwirtschaft.“

Einig war man sich in der regionalen Runde, dass die gesellschaftliche Veränderung in unsere heutige Wohlstandsgesellschaft eine Beschleunigung in vielen Lebensbereichen, z. B. beim Flächenverbrauch, im Konsum-, Tourismus-  und Freizeitverhalten sowie auch in der Nutzung des technologischen Fortschritts zur Folge hatte. Viele dieser Veränderungen seien nicht rückholbar aber in diversen Bereichen könne jeder in seinem persönlichen Umfeld etwas tun. „Wir müssen uns deshalb überlegen, wie wir auch hier bei uns die Mitbürgerinnen und Mitbürger, Kommunen und staatliche Verwaltung sowie auch die Wirtschaft zum Mitmachen und Handeln bewegen und welche Maßnahmen notwendig und zielführend sind.“

Die regionalen Vertreter des BN und weitere Unterstützer des Volksbegehrens betonten, dass es ihnen vor allem um optimale Lebensräume für Insekten und Kleinstlebewesen gehe. Diese Insekten-Biotope sollten mindestens ein Jahr, optimalerweise über mehrere Jahre nicht bearbeitet werden, so Karl Paulus, Geschäftsführer des BN im Landkreis Wunsiedel im Fichtelgebirge. Die Ausweitung solcher Lebensräume sollte nicht nur auf land- und forstwirtschaftlicher Nutzfläche sondern auch auf kommunalen/staatlichen Flächen sowie auf Gewerbe-Restflächen und Privatgärten angestrebt werden.

Genau wie beim letzten Runden Tisch im Landkreis Kulmbach wurde auch in Bad Alexandersbad festgestellt, dass kommunale bzw. staatliche Flächen wie Straßen- und Wegeränder, Parkanlagen sowie Flächen, die ohnehin brach liegen, für Blühstreifen genutzt bzw. möglichst extensiv gepflegt werden sollten. Das Mulchen von Flächen sollte drastisch reduziert werden. Wichtig sei, so der örtliche Bürgermeister Peter Berek, eine fachliche Beratung der Kommunen und ihrer Bauhöfe zur richtigen Anlage und Pflege von naturnah gestalteten Flächen.

Eine besondere Bedeutung kommt der Bewirtschaftung von Grünland zu. Alle Seiten betonten, man müsse unterscheiden zwischen Intensiv-Grünland, welches auch dafür genutzt wird, um die Eiweiß-Importe aus Südamerika reduzieren zu können und extensiv genutzten Flächen, auf denen der Naturschutz eine besondere Rolle spielt. Alle Beteiligten waren sich einig, dass die Grünlandnutzung in der Region Fichtelgebirge ausgewogen und naturverträglich sei. Ebenso sei auch die Wasserqualität in der Region gut, was auf die verantwortungsvolle Bewirtschaftung der landwirtschaftlichen Flächen in der Region schließen lässt.

 

Beim Runden Tisch in Bad Alexandersbad herrscht auch darüber Einigkeit, dass es einfache Lösungen in Sachen Insekten-/Artenschutz nicht geben wird. Landwirt Stefan Purucker brachte es so auf den Punkt: „Es gibt in der Landwirtschaft nicht nur eine Dimension Ökologie und eine Dimension Ertrag. Es gibt stattdessen zahlreiche Dimensionen, die alle irgendwie in Einklang gebracht werden müssen.“ Auch alle ökologischen Maßnahmen hätten immer mehrere Auswirkungen – für die eine Art positiv, für die andere ggf. auch negativ. So sei beispielsweise das Mulchen zwar für den Boden gut, für die Insekten und manche Magerrasen-Pflanzen aber unter Umständen schädlich. Zwischenfrüchte seien gut für den Gewässerschutz und gegen Bodenerosion - aber gegebenenfalls nicht hilfreich für Kleinlebewesen. „Es gibt nicht nur richtig oder falsch, sondern viele Facetten, die der Landwirt stets abzuwägen hat. Bei einer Weiterentwicklung des Naturschutzes in Bayern muss Gewässerschutz, Klimaschutz, Schutz von Insekten- und Kleinlebewesen in Einklang gebracht werden. Und das am besten auf jede Region und die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt. Zusätzlich soll unsere Landwirtschaft auf der geringer werdenden landwirtschaftlichen Nutzfläche die Versorgungssicherheit der Bevölkerung mit Lebensmitteln sicherstellen. Das sind die zentralen Herausforderungen,“ resümierte Martin Schöffel.

 

„Leider gibt es bislang kaum belastbare Zahlen, was die Entwicklung der Insektenpopulation in Bayern und die Auswirkungen der verschiedenen Programme und Umweltschutz-Maßnahmen auf die Natur allgemein angeht,“ so Martin Schöffel. „Unsere Maßnahmen müssen überprüfbarer werden, damit wir auch in Zukunft wissen, welche Naturschutzmaßnahmen tatsächlich Erfolg haben.“ Die Förderlandschaft müsse – so ein Fazit des Fachgesprächs – pragmatisch und fachlich mit gesundem Menschenverstand gestaltet werden. Und mit Vertrauen in die Fachkompetenz der Bauern. Sinnvoll sei ein regionales Naturschutz-Pflegekonzept mit Strategie für Lebensraum-Vernetzung, welches die regionalen Bedarfe zum Artenschutz bei Tieren und Pflanzen, naturräumliche Gegebenheiten und jahreszeitliche Witterungsverhältnisse berücksichtige und ein gemeinsames abgestimmtes Handeln aller Akteure ermögliche. Schöffel: „Bei allen Maßnahmen muss es uns gelingen, dass dadurch nicht der Strukturwandel in der Landwirtschaft beschleunigt wird. Und dass klar wird, dass Artenvielfalt nicht allein bei den Bauern abgeladen werden kann und bäuerliche Arbeit im Fichtelgebirge von den Menschen weiter geschätzt wird.“

„Das Fichtelgebirge kann Vorbild sein! Wir sind gleichzeitig Naturpark und Industrieregion im Grünen und dabei eine Drehscheibe der Artenvielfalt!“, stellte Landrat Dr. Karl Döhler ergänzend fest. „Nur eine sachliche und in gegenseitigem Respekt geführte vernünftige Diskussion führt zu Lösungen.“

 

In jedem Fall wird die Runde weiter gemeinsam und konstruktiv an regionalen Lösungen arbeiten und Landtagsabgeordneter Martin Schöffel wird diverse Ansätze daraus in München einbringen.